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Reisebericht

 

Falconidae, den 20 Januar 1007
Meine liebste Lucia!
Dass du nun von mir persönlich von den neuesten Geschehnissen erfährst, schreibe ich auch dir ein paar Zeilen.

Wie du ja weißt, war ich mit meiner Schreiberin Anessa und meiner lieben Zofe Francesca (das Kind ist so dünn geworden, vielleicht hat sie Heimweh?) in Nurian. Die Verhandlungen sind wirklich zufriedenstellend gelaufen, ich hätte nach diesem Vertragsschluss zu gerne das Gesicht von Adrianna gesehen… nun, das tut erstmal nichts zur Sache.
Auf dem Rückweg passierte uns etwas Furchtbares: Ich sah eine wunderschöne Lichtung, in deren besonderen Licht ich zu meiner Inspiration einige der erst kürzlich in Nurian erworbenen Stoffproben betrachten wollte. So verließen ich, Anessa und Francesca mit einigen unserer Leibwächter das Schiff.
Ein lautes Geschrei und Krachen im Wald ließ mich den Blick von dem roten Brokat, den ich gerade betrachtete, heben. Ich sah, wie mehrere Männer in äusserst schmutzigen Kleidern auf uns zugestürmt kamen. Meine Leibwachen verteidigten uns bis aufs letzte, doch der Kapitän des kleinen Schiffes, mit dem wir auf dem Jolborn unterwegs, zurück nach Leuenfurt waren, hielt wohl nicht viel von den Tugenden eines wahren Edelmannes, ließ die Anker lichten und segelte mitsamt aller meiner Kleider, Stoffe und den Verträgen mit Nurian wieder zurück.
Sicher kannst du nachvollziehen, wie aufgebracht ich war, doch sollte mir dies erst eine spätere Sorge sein. Meine Leibwachen kämpften noch hart, als auch der letzte von ihnen fiel. Von den Unholden waren noch drei auf den Beinen, wenn auch bereits schwer angeschlagen. Scheinbar unschlüssig, was sie nun mit uns tun sollten, kamen sie auf uns zu, der eine hatte bereits ein lüsternes Grinsen im Gesicht, das seine fauligen Zähne entblößte, und schaute uns abschätzend von oben bis unten an. Auf das schlimmste gefasst, drängten wir uns zusammen, und ich schickte noch ein kurzes Stoßgebet gen Himmel.

Das Grinsen des Mannes erstarb jedoch rasch, als sich ein Pfeil in seinen Rücken bohrte... Die zwei anderen drehten sich erschreckt um, als ein Mann, das Gesicht von einer Maske verdeckt, auf sie zukam.

Anessa rief ihm noch zu, dass er reich entlohnt würde, wenn er uns rettete, doch zweifelte ich nicht daran, dass wir eher vom Regen in die Traufe gekommen waren... Da die zwei Räuber nun beschäftigt waren, machten wir uns daran, uns möglichst schnell in Sicherheit zu bringen, was darin bestand, uns am Waldrand hinter einem Holzhaufen zu verstecken.

Der andere Mann kämpfte hart mit den zwei Unholden, und es gelang ihm schließlich, erst den einen und dann den anderen niederzustrecken. Er schaute sich kurz um und kam dann schnurgerade auf unser Versteck zu.

Ich, gerade der Lebensgefahr entkommen, ahnte bereits Schlimmes. Anessa baute sich schützend vor mir auf, auch wenn sie selbst vor Angst zitterte.

"Was wollt ihr?"

Mit einem zynischen Lächeln betrachtete er uns, und zwischen seinen Haarsträhnen blitzte eine Ohrspitze hervor. "Ihr seht aus, als bräuchtet ihr Schutz und hättet auch Geld, um dafür zu bezahlen? Ich bin Ravanion."

Nach einer kurzen Verhandlung beschlossen wir, unter seinem Schutz Richtung Falconidae zu reisen, um dort einen Boten zu Vater zu schicken, dass er uns ein Schiff, Geld und Kleidung schicke, und wie wir weiter vorgehen sollten - die Verträge waren schließlich verschwunden.

Baron Navarre nahm uns sehr gastfreundlich auf, so dass unsere vorübergehende Illiquidität niemandem auffiel. Doch meine geschmälerte Garderobe macht mir doch etwas zu schaffen, ich werde mich mal umsehen, welch Fähigkeiten die Falkenhainer Schneider aufzuweisen haben, auch wenn man an so eine kleine Provinz sicher nicht allzu hohe Ansprüche stellen darf. Verzeih mir, ich schweife schon wieder ab.

Wir verweilen also in Falconidae und warten, dass der Schreiber, den Vater geschickt hat, mit den neuen Abschriften der bereits geschlossenen Verträge aus Nurian zurückkehrt, ich denke, dass der nurianische Händler so rechtschaffen sein wird, dass er die Vertragsbedingungen erneut unterzeichnet hat. Die Verträge sind für ein Jahr verbindlich und ich überlege bereits, ob ich nicht für nächstes Jahr eine nurianische Handelsdelegation zu uns in den Palazzo einlade. Das wäre sicher auch eine nette Gelegenheit, nach einem Bräutigam für dich Ausschau zu halten, wer weiß, welch Vorteile solch eine Verbindung bringen kann.

Meine Kerze neigt sich schon dem Ende und auch mir fallen langsam die Augen zu. Ich freue mich schon darauf, bald wieder nach Leuenfurt heimzukehren, Reisen ist doch etwas lästig und anstrengend - sei jedoch versichert, dass es uns gutgeht und wir von den Falkenhainern wirklich sehr freundlich aufgenommen wurden. Richte auch Vater meine herzlichsten Grüße aus und gib Mutter einen Kuss von mir.

Es grüßt dich

in schwesterlicher Liebe verbunden

Deine Giulia